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Hier findet ihr interessante Geschichten, Interviews  und Berichte

Köln Triathlon - Jens ist dabei!
 

Auch wenn ich es mir - nach guter Genesung - erhofft hatte, eine Langdistanz, speziell ein Marathonlauf, war mit meiner Verletzung leider nicht möglich.
Ich habe es probiert und bis zum Lauf auch meinen Spaß und meine Freude gehabt, aber nach ein paar Laufschritten war mir eigentlich klar, dass ich mit einer Schonhaltung keinen Marathon laufen kann und ich musste das Rennen, an 2.Stelle liegend, leider beenden.
   
Trotzdem ein kleiner Rennbericht:
7.00Uhr - Fühlinger See. Das Rennen beginnt und  ich versuche ´´gute Füße zu erwischen´´. Es findet sich zwar immer mal wieder ein Mitstreiter, aber ich bin heute nicht in der Lage vernünftig zu schwimmen und kann kaum eine Gruppe halten. Eigentlich fühle ich mich alleine am wohlsten und schwimme so auch den größten Teil der 3,8 km. Nach 57´15 ist der Auftakt dann beendet und beim Lauf in die Wechselzone meldet sich auch um ersten Mal meine Hüftprellung. An meinem Wechselplatz stelle ich fest, dass ich nicht gut geschwommen bin, denn das Rad von Tobi Gärtner (mein Topfavorit) ist schon weg und im Normalfall beginnt er das Radfahren nach mir. Was soll ich mich über das Schwimmen ärgern, jetzt habe ich ausreichend Zeit meine Position zu verbessern - denke ich - und gehe als 18ter aufs Rad.
  
Auf meiner Viper läuft es von Beginn an sehr gut. Ich arbeite mich Position für Position nach vorne und spüre meine Prellung kaum. Bei der ersten Stadtdurchfahrt (Zeitnahme 16,7km) kann ich dann Abstände abstoppen und mir einen Überblick über das Renngeschehen verschaffen. Ich habe mich auf Platz 9 vorgearbeitet und mein Rückstand auf die Spitze ist zwar um 1min geschrumpft, aber mit 9min viel zu groß. Mir ist jetzt schon klar, dass die Führungsmopeds mich in ihrem Rückspiegel heute nicht sehen werden. Bei der nächsten Zwischenzeit liege ich auf Position 5 und habe in Tobi Gärter einen fairen und guten Begleiter gefunden. Wir pushen uns gegenseitig und können so den Rückstand auf den Führenden Alexander Janitzki weiter verringern und ab km90 liegen wir, nun noch begleitet von Dirk Niederau, auf Position 2.
An dieser Konstellation ändert sich bis zur 2.Wechselzone nichts mehr und wir steigen gemeinsam vom Rad und rüsten uns im Wechselzelt für den kommenden Marathon. Meine Radzeit 4:33´54 ist die schnellste Zeit des Tages! Ich bin motiviert und hoffe, dass sich meine Schmerzen in Grenzen halten und ich den Marathon irgendwie durchstehen kann. Als erster unserer 3er Gruppe laufe ich auf die Deutzer Brücke und der Rückstand auf Janitzki liegt nur noch bei etwa 1´30. Nach einem kurzen Smalltalk mit meinem Führungsradfahrer versuche ich meinen Rhythmus zu finden und die Schmerzen zu verdrängen. Leider gelingt mir dies nicht. Schlimmer noch. Ich nehme bereits nach 1km eine Schonhaltung ein und versuche dem Schmerz zu entkommen - erfolglos. Mir bleibt nicht anderes übrig, als einsichtig zu sein und zu akzeptieren, dass ich einfach nicht fit bin und es besser ist das Rennen zu beenden.

Sieger der Cologne226, wird wie im Vorjahr, Joseph Spindler. Meinen Glückwunsch an einen netten Athleten, der sich nie aufgegeben hat und nach einen Rückstand von 14min auf Tobias Gärtner (ich hätte es dir von Herzen gegönnt!), diesen noch überholt und so auch verdient gewonnen hat. Dritter wird Alexander Janitzki und kurz nach ihm folgt auch schon Till Schramm, der in dieser Saison manche Trainingseinheit etwas kurzweiliger erscheinen hat lassen und ein tolles Rennen abgeliefert hat. Chapeau Till!

Natürlich bin ich enttäuscht, war ich doch vor 10Tagen noch so guter Dinge, aber es kam nun mal anders und so schön der Sport ist, so grausam kann er manchmal auch sein. Im Endeffekt gibt es aber doch Wichtigeres und ich hadere nicht, sondern freue mich auch über den ehrlichen, netten Zuspruch von Freunden und meiner Familie, die mich wie so oft wieder hervorragend unterstützt und mitgefiebert haben.

Danke an Uwe Jeschke; Melanie Graf, Carsten Krause, Dirk Werk, die vielen Helfer und  die Fans an der Strecke ........ . Schlussendlich war es ein schönes Wochenende in Köln und auch wenn das Ziel nicht erreicht wurde habe ich meinen Spaß gehabt und kann mir nicht vorwerfen, dass ich es nicht probiert habe.

Ich komme wieder ;-) Jens Kaiser


 
"Einmal einen Ironman gewinnen"
Interview Till Schramm mit dem Kölner Stadtanzeiger vom 02.09.10

Für den Kölner Till Schramm ist das Cologne Triathlon-Wochenende ein Höhepunkt der Saison. Diesmal soll es besser klappen, als im vergangenen Jahr. Da warf ihn eine Zeitstrafe weit zurück. Ziel bleibt der Ironman-Gewinn.

KSTA:
Am Sonntag starten Sie beim Triathlon in Köln über die Langdistanz (Cologne226 3,8-180-42,2 km). Was haben Sie sich vorgenommen?

Till Schramm: Ich möchte mein eigenes Rennen machen, ohne dabei aber die Konkurrenz aus den Augen zu verlieren. Ich werde nicht den Fehler machen und zu früh zu viel riskieren. Die Form stimmt und ich bin optimistisch dass ich meine Ziele auch umsetzen kann.

KSTA:
Im letzten Jahr lief es in Köln nicht nach Plan. Sie bekamen eine Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens. Sitzt dieser Stachel noch tief?

Schramm: Damals habe ich rund zehn Minuten durch die Strafe verloren. Das wurmt einen natürlich. Man blickt zurück und weiß ganz genau, was alles möglich gewesen wäre. Ich habe jetzt hart gearbeitet und möchte natürlich zeigen, dass ich auch mit fairen Mitteln eine gut Leistung bringen kann.

KSTA:
War die Strafe damals gerechtfertigt?

Schramm: In der Nachbetrachtung war es sicherlich nicht komplett falsch. Dennoch ist es im Triathlon nicht anders als beim Fußball. Es gibt Schiedsrichter die Entscheidungen treffen und über diese lässt sich immer diskutieren. Manche Strafen resultieren häufig aus Momentaufnahmen und werden getroffen ohne sich ein Bild der Gesamtsituation zu verschaffen.

KSTA: Sie sind in dieser Saison bereits zweimal über die Langdistanz an den Start gegangen. Mitte Juli in Roth und nur eine Woche später in Zürich. Ist das nicht etwas zu viel des Guten?

Schramm: Ich mache Rennen, wenn ich mich fit fühle. Ich habe seit Juli bei verschiedenen Wettkämpfen gezeigt, dass es funktioniert. Drei Tage nach der Langdistanz in Zürich bin ich wieder ins Training eingestiegen und hatte kaum Probleme. Die Vorbereitung auf Köln ist gut gelaufen. Solange ich mich fit fühle werde ich auch bei Rennen an den Start gehen, wenn das bis ins nächste Jahr so geht, habe ich kein Problem damit.

KSTA: Ist die Langdistanz in Köln jetzt eine gute Chance auch mal ganz vorne mitzumischen?

Schramm: Alles ist möglich. Die Topathleten die in Köln am Start sind, kommen eher aus der zweiten Reihe. Die sind alle erfahren und schnell, aber in der absoluten Spitze mischt da niemand mit. Das macht den Wettkampf umso interessanter für mich. Dadurch habe ich mehr Möglichkeiten.

Mit 25 Jahren gehören Sie in dieser Disziplin noch zu den Jungspunden. Was wollen Sie in den nächsten Jahren über die Langdistanz erreichen?

Schramm: Bei mir funktioniert es nicht, sich verbissen nur auf ein Rennen vorzubereiten. Mein Ziel ist es, möglichst viele Wettkämpfe zu absolvieren, Erfahrungen zu sammeln, auch im Hinblick auf eine Qualifikation für den Ironman auf Hawaii. In ferner Zukunft möchte ich natürlich gerne einmal ein Ironman-Rennen gewinnen. Bis dahin habe ich aber noch ein paar Jahre Zeit. Mal sehen, ob es klappt. Auf diesem Weg unterstützt Sie seit knapp eineinhalb Jahren ihr Trainer Jürgen Zäck. In Ihrem Sport hat er den Status einer Legende.

KSTA: Wie profitieren Sie von der Erfahrung eines ehemaligen Weltklasseathleten?

Schramm: Es ist ein Geschenk mit Jürgen Zäck als Mensch zusammenarbeiten zu dürfen. Er ist einer der wichtigsten Personen in meinem Umfeld, hält mir den Rücken frei. Er hat viel Erfahrung, bildet sich ständig weiter und ist immer offen für Neues. Mittlerweile können wir uns gegenseitig sehr gut einschätzen. Ich profitiere von ihm in allen Bereichen. Auf dem Rad bin ich viel stärker geworden, auch beim Laufen habe ich mich verbessert. Mit dem Schwimmen bin ich auch zufrieden, um ganz vorne mitmischen zu können, muss ich da aber noch etwas zulegen.

Das Gespräch führte Tim Oehler

Ja! - Es geht doch! 19.Platz bei der Challenge Roth

Eigentlich wollte ich vor 2 Wochen über ein erfolgreiches und auch zufriedenstellendes Ergebnis vom Ironman Klagenfurt berichten. Das konnte ich leider nicht, da ich dort auf der Laufstrecke aussteigen musste. Es ging einfach nicht. Nach 5 erfolgreichen Langdistanzen, Bestzeiten und guten Ergebnissen habe ich das Ziel zum 1.Mal nicht gesehen. Dies habe ich aber schnell abgehakt und mich spontan für einen Start bei der Challenge in Roth entschieden.
 
So stand ich dann, 2 Wochen nach Klagenfurt, wieder an der Startlinie und war froh, dass ich eine Chance zur Wiedergutmachung hatte.
Das Starterfeld in Roth, gespickt mit Ironman-Gewinnern und zahlreichen Topathleten aus dem In- und Ausland, war genau das Richtige um zu sehen, was ich kann, und was ich noch lernen muss.

Im Gegensatz zum Ironman Klagenfurt, war ich von Beginn an ´´dabei´´ und ab Radkilometer 50 auch in den Top 20. Nach Beendigung der Radstrecke fand ich mich auf Position 15 wieder. Leider konnte ich dieses Ergebnis nicht ganz halten und verlor noch 4 Plätze auf der Marathonstrecke. Letztendlich bin ich mit Platz 19 sehr zufrieden und glücklich, dass ich den Wettkampf in Klagenfurt nun endlich aus dem Kopf streichen kann, auch wenn er mir auf der Laufstrecke noch etwas in den Knochen steckte.
 
Neben dem 19.Platz in der Einzelwertung durfte ich mich auch noch über Platz 8 bei der Deutschen Meisterschaft und eine Silbermedaille mit dem DBL-TEAM freuen. Nach mittlerweile 4x DM-Vize, sollte es wirklich mal mal an der Zeit für mehr sein ;-)
 
Bis demnächst, liebe Grüße!
Jens Kaiser


Die Geduldsprobe

Buchautor Ralf Meier hat sich mit 50 Jahren ein großes Ziel gesetzt: Den IRONMAN Regensburg. In der CONDITION dokumentiert er Höhen und Tiefen seiner Vorbereitung.

Ausdauer hat ganz viel mit Geduld zu tun. Ich bin mit meinen Schwiegereltern auf dem Weg nach Sizilien. 2350 km Autofahrt über den Daumen gepeilt. Es regnet, seit wir uns gegen 5 Uhr morgens auf den Weg gemacht haben. Doch das ist nur der Anfang. Schon gut 10 km vor dem Gotthard-Tunnel leuchten vor mir die Bremslichter auf. Ich trag´s mit Fassung. Auf so einer langen Strecke kann vieles schief gehen. Und diesmal geht fast alles schief. Kaum haben wir endlich den Tunnel passiert, stehen wir schon wieder. Diesmal wird die Autobahn zum Parkplatz.
Sch...ade. Das hatte ich mir eigentlich etwas anders vorgestellt. Morgen stehen die ersten 140 Radkilometer auf der größten Insel des Mittelmeeres an. Jürgen Zäck hat extra meinen Trainingsplan auf die Woche Sizilien ausgerichtet.
Doch wenn das in dem Tempo weitergeht, bin ich morgen noch gar nicht am Ziel. Also wird der komplette Fahrplan an die widrigen Bedingungen angepasst. Nur zwei Stunden Pause für ein verspätetes  Abendessen. Immer noch gut 150 km vor Rom. Von da an gibt’s trotz Regen, Nebel und eines Horrorunfalls kurz vor Salerno nur noch Tankstopps bis zur Fähre in Villa S. Giovanni.
Müdigkeit? Natürlich werde ich müde. Die vielen Stunden unterwegs, der Regen und schließlich die Dunkelheit haben ihre Spuren hinterlassen. Und plötzlich weiß ich: Das hier ist mehr als eine scheinbar endlose Autofahrt, es ist ein Stück Vorbereitung auf Regensburg. Hier habe ich die reale Möglichkeit zu erfahren, was extreme Müdigkeit aus mir macht. Wie gehe ich damit um? Behalte ich die Kontrolle oder geht es mit der Leistungsfähigkeit so schnell bergab, dass ich eine Pause einlegen muss? Instinktiv zerlege ich die verbleibende Strecke in kleinere Teilstücke. Jedesmal, wenn ich eines dieser Teilstücke hinter mich gebracht habe, ist es ein kleines Erfolgserlebnis. „Ich habe nicht daran gedacht, was vor mir liegt, ich habe jeden Kilometer abgehakt, den ich bewältigt hatte“, mit dieser Einstellung hat Jürgen Zäck nach eigener Aussage 1997 in Roth den Ironman in der Fabelzeit von 7:51 gefinisht.

Genau das ist es. Wenn Du müde bist und weißt, dass Du noch 1000 Kilometer vor Dir hast, dann erschlägt Dich allein die Zahl und macht Dich mürbe. Wenn Du nach hinten blickst, reiht sich dagegen Erfolg an Erfolg. Schon wieder 100 km weg...
Als endlich die Morgendämmerung heranbricht, habe ich Kalabrien schon fast durchquert. Gegen Mittag sind wir Mitten in Sizilien. Ich fühle mich wieder fit. Das nächste Training kann kommen.  Es werden nur100 km und auch nicht die schnellsten, die ich in der Vorbereitungsphase gefahren bin, zumal das Wetter nicht mitspielt und ich mir nach der Ankunft noch eine große Portion Pasta gegönnt hatte, aber ich bin trotz aller widrigen Umstände  fast im Plan. Mit der Regenerationsphase nach dem Training nehme ich  es dagegen nicht so genau. Wer kann schon Nein sagen, wenn er auf der Terrasse bei einem der schönsten Ausblicke der Welt selbstgekelterten Wein serviert bekommt? Spät wird es an diesem Tag ohnehin nicht, nach nahezu 50 Stunden ohne Schlaf.
Das Rad, das ich mir auf der Insel leihe, ist nicht wirklich der Hit. Mein eigenes steht zu Hause, weil ich die Heimreise nicht mit dem Auto, sondern mit dem Flieger antrete. Aber es erfüllt seinen Zweck und lässt mich auch auf längeren Fahrten nicht im Stich. Dagegen ist das Laufen eine echte Herausforderung. Sizilien besteht zu gut 80% aus Gebirge, und wir sind mittendrin. Es gibt hier eigentlich keine flachen Strecken, sondern nur ein rauf und runter. Das ist bei meinem eher behäbigen Laufstil nicht wirklich ideal. Zudem wirke ich wie ein Unikum. Jogger sind in  Sizilien eher die Ausnahme. Okay, einen habe ich gesehen, der sich todesmutig ins Verkehrsgetümmel von Messina gestürzt hatte. Triathleten und Radsportler findet man vor allem in Küstenstädten wie Cefalu. Im Landesinneren bin ich dagegen allein auf weiter Flur, einmal abgesehen von den Autos um mich herum. Dafür kommt mir das Wetter in den ersten Tagen zu Hilfe. Statt der sonst um diese Jahreszeit üblichen Hitze ist es mit knapp über 20 Grad nahezu ideal und auch bei längeren Läufen noch angenehm. Erst zur Wochenmitte steigen die Temperaturen deutlich und treiben einem schon vor dem Start die Schweißperlen auf die Stirn. Dafür verschwinden durch die Wärme die Rückenprobleme, die sich wochenlang hartnäckig gehalten und mir ein wenig Sorgen gemacht haben. Eigentlich hatte ich wenigstens eine Schwimmeinheit geplant. Aber da ich nach der Anfahrt keine große Lust zum Autofahren verspüre, verzichte ich darauf. Im Plan war ohnehin keine vorgesehen, und eine Woche ohne Schwimmen wird meiner miserablen Technik auch nicht schaden. 

Mittlerweile bin ich wieder in Deutschland. Die Hausaufgaben sind gemacht, und nach ein paar Tagen kompletter Ruhe  bin ich guter Dinge für die letzten Wochen vor Regensburg. Dies ist übrigens der letzte Vorbereitungs-Artikel, da die nächste Ausgabe der CONDITION erst im Anschluss an den Ironman Regensburg mit einem Nachbericht erscheint.